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Icon11.02.2018 17:56 by hinterwalda

Wenn eSport Sport wäre... - Hintergedanken #5

imageIm Zuge der aktuellen Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD war in den letzten Tagen kaum ein Thema so brisant, wie die Anerkennung des eSports als 'richtigen' Sport, inklusive olympischer Förderung. Deutschland wäre damit das letzte im eSport relevante Land, das diesen Schritt tut, doch nun stellt sich die Frage: Was würde sich denn überhaupt ändern, wenn eSport auch in Deutschland ein anerkannter Sport wäre?


Die aktuelle Lage
Die Diskussion um die Frage, ob eSport nun tatsächlich als Sport anerkannt werden sollte, oder nicht, füllte im Zuge der angesprochenen Koalitionsverhandlungen vor allem auf den Social Media-Kanälen von Tagesschau und Co. die Kommentarsektionen. Dabei konnte man im Normalfall zwischen drei Typen von Kommentaren unterscheiden. Zum einen waren da in großer Zahl diejenigen, die die Meinung vertraten, dass nur all das als Sport zu verstehen sei, wobei man körperlich aktiv ist. Wie viele davon aktiv die Formel 1 verfolgen sei einmal dahingestellt. Die zweite, ebenfalls relativ große Gruppe bestand vor allem aus Gamern, die sich darüber freuten, ihre Zockersessions künftig als sportliche Aktivität verbuchen zu können. Zu guter letzt war dann noch die kleinste Gruppe der Diskussion, bestehend aus Leuten - ob im eSport aktiv oder nicht - die reflektierte Meinungen zu dem Thema vertraten und deren Argumentation zumindest nachvollziehbar war; unabhängig von pro und contra.

Dabei ist eSport schon längst Sport, selbst wenn man sich nach der Definition für Sport des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) richtet. Was bisher fehlte, war ein allgemeiner Dachverband, der sich Ende 2017 mit dem eSport-Bund Deutschland (ESBD) gründete. Der Anerkennung des eSports als Sport steht somit nichts mehr im Weg, sollte die künftige Bundesregierung sich aus CDU und SPD bilden und diese ihren Koalitionsvertrag beibehalten. Jedoch muss dabei berücksichtigt werden, dass im eSport nur der professionelle Wettbewerb als Sport anerkannt werden sollte - schließlich werden nur dort die gesetzten Auflagen erfüllt.

Und was ändert sich jetzt?
Mit Abstand am meisten würden die Spieler und Organisationen davon profitieren, dass eSport auch in Deutschland als Sport anerkannt wird. Es wäre leichter, Spieler aus nicht-EU-Ländern zu verpflichten, da diese ein Sportlervisum erhalten könnten. Das hat gegenüber einem normalen Visum den Vorteil, dass es eine längere Laufzeit hat. Beispielsweise musste Anfang 2016 das in Deutschland ansässige League of Legends Team Unicorns of Love einen Spielerwechsel vornehmen, weil das Visum ihres russischen Junglers Danil 'Diamondprox' Reshetnikov ganz einfach abgelaufen war und nicht verlängert wurde. Probleme wie dieses wären Geschichte.

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Diamondprox hätte mit einem Sportlervisum länger für Unicorns of Love spielen können

Des Weiteren würden die in Deutschland ansässigen eSport-Organisationen und Vereine von der neuen Regelung profitieren, da sie zusätzlich von staatlichen Geldern unterstützt werden würden. Aufgrund der Anerkennung als 'echten' Sport würde zudem die gesellschaftliche Akzeptanz des eSports mit Sicherheit einen großen Schub erfahren und eSports als Jugendkultur würde mehr Zulauf bekommen, als es bisher der Fall war.

Gibt's da noch mehr?
Die Kritiker werden beim eSport - wie auch bei anderen Sportarten - wohl nie verschwinden, da die Athleten (wie Fußballer zum Beispiel auch) letzten Endes mit dem Spielen eines Spiels ihren Lebensunterhalt verdienen. Unter welchen Bedingungen gespielt wird, lässt man bei dieser Argumentation allerdings häufig außen vor. Gerade dort verbirgt sich meiner Meinung nach auch eines der größten Risiken, die der eSport vor allem für junge Spieler mit sich bringt. Jeder, der regelmäßig spielt hat zumindest mal ein bisschen davon geträumt, sich sein Hobby, also das Zocken, zum Beruf machen zu können. Dabei stelle ich selbst keine Ausnahme dar. Das Problem ist nun, dass mit Blick auf den eSport nicht berücksichtigt wird, dass die Spieler das Spiel spielen müssen. Zehn Stunden oder mehr am Tag, abhängig von der Phase der Saison. Man muss also mit allen Konsequenzen leben, die die Transformation des eigenen Hobbys in einen Beruf mit sich bringt. Der Schlüssel hierbei ist Aufklärung, die dringend im Zuge des Ausbaus des eSports erfolgen muss.

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Die ESL ONE in Köln wird auch 2018 wieder tausende eSport-Fans anziehen

Insgesamt sieht es jedoch im Moment sehr gut für den eSport in Deutschland aus. In den letzten Jahren erfreuten sich große Events wie die EU LCS oder die ESL ONE zunehmender Beliebtheit und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Durch die Gründung des ESBD im letzten Jahr und der steigenden Zahl an lokalen eSport-Vereinen kann man in eSport-Deutschland in eine rosige Zukunft blicken. Bleibt nur zu hoffen, dass das Ganze auch in der Gesellschaft auf Akzeptanz stößt und das der Dialog im Falle von Unstimmigkeiten von beiden Seiten aus konstruktiv bleibt. Denn sonst sind wir alle so schnell wieder verkommene Kellerkinder, wie wir zu Sportbegeisterten wurden.

Bildquelle: Riot Games via LoL Esports
Quellen:
Gregor 'hinterwalda' Vorwald
registriert seit 05.05.2017
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